Sonntag, 25. März 2012, 18 Uhr
Kirche Neumünster Zürich
Frühlings – Abendmusik
Ludwig van Beethoven – Adagio-Allegro aus dem Bläsersextett op. 71
Franz Anton Hoffmeister – Konzert für Viola und Orchester in D-Dur
Joseph Haydn – Sinfonie Nr. 101 in D-Dur „Die Uhr“
Solist: Nicolas Corti, Viola
Neumünster Orchester
Gunnar Harand, Leitung
Die grosse Schwester
Sie sind beide wunderschön und könnten Zwillingsschwestern sein. Bei genauerem hinsehen ist bei einer von ihnen die grössere Statur erkennbar. Wirklich unterscheiden kann man sie aber erst am Klang ihrer Stimmen: Diejenige der grösseren ist etwas dunkler, weicher, pastellfarbiger und tiefer, kann aber auch mit hohen Klängen überraschen.
Die Rede ist hier von der Viola oder auch Bratsche genannt. Sie ist die grössere und auch ältere Schwester der Violine oder Geige. Die Kleinere ist bekannter ist und es wurden eine Unzahl von schönen Konzerten für sie komponiert wurden. – Bratschenkonzerte sind seltener und werden auch weniger oft aufgeführt, was auch mit dem Mangel an Solistinnen und Solisten für dieses Instrument zusammenhängen könnte. – So erklingt also auch an einem Konzert des Neumünster Orchesters erstmals ein Werk dieser Gattung, allerdings eines der schönsten und meist gespieltesten. Es stammt von Franz Anton Hoffmeister (1754 – 1812), einem Komponist der Wiener Klassik und Freund von Mozart und Beethoven, der ihn in einem Brief sogar als „lieben Bruder“ anredete. – Das dreisätzige Werk enthält schöne Melodien, aber vor allem auch mitreissende Passagen für die solistische Viola, deren reiches Klangspektrum hier wunderbar zur Geltung kommt.
Solist dieses Konzertes ist der bekannte Zürcher Bratschist Nicolas Corti. Nach dem Studium bei seinem Vater Ottavio Corti in Zürich vervollständigte ein Aufenthalt in New York in der Meisterklasse von Emanuel Vardi seine solistische Ausbildung. Nicolas Corti hat sich vor allem als Kammermusiker und jahrzehntelanger Bratschist des Zürcher Amati- Quartettes, des Collegium Musicum Zürich unter Paul Sacher und in anderen Ensembles einen Namen gemacht. Er ist Solobratschist des Musikkollegiums Winterthur, Professor an der Zürcher Hochschule der Künste und immer wieder gerne gehörter Solist im Duo mit Klavier und mit Orchester.
Die Abendmusik wird eröffnet mit dem ersten Satz von Ludwig van Beethovens Sextett für 2 Klarinetten, 2 Fagotte und 2 Hörner op. 71, einem Jugendwerk des Komponisten, bei dem auffallend ist, wie fröhlich Beethovens frühe Kompositionen immer wieder tönen, und wie sehr er schon als junger Musiker auf der Suche nach neuen Klängen war, was ihm hier mit der Verschmelzung von Klarinetten mit Fagotten und Hörnern gelungen ist.
Einem Jugendwerk Beethovens steht als Schlussstück der Abendmusik eine späte Sinfonie Joseph Haydns gegenüber. Es ist die Nr. 101 in D-Dur, eine der bekanntesten aus der Reihe der Londoner Sinfonien, komponiert 1794. Sie trägt den Namen „Die Uhr“, welcher allerdings nicht von Haydn selbst stammt. – Wir werden freilich im zweiten Satz durch die ostinaten Begleitklänge der beiden Fagotte und von zupfenden Streichinstrumenten an das gleichmässige Fortschreiten eines Uhrwerkes erinnert. Doch sind diese Töne nur das Gerüst für eine wunderbare, gross angelegte Melodie von einfachem, beseelten Charakter, wie sie nur Haydn geschrieben hat. Das Londoner Publikum jubelte nach der Erstaufführung und wollte Haydn am liebsten für immer in England behalten. Dies, obwohl seine Kenntnisse der englischen Sprache gering waren. – Aber der Komponist konnte ja nach der begeisterten Aufnahme seiner Londoner Sinfonien mit Recht sagen:
„Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt“.
